Sonntag, 10.03.2019 – Raceday

Sonntag, 10.03.2019 – Raceday

Soll: Frankfurter Halbmarathon

Ist: Ich wache um sechs Uhr auf. Blick aus dem Fenster: draußen biegen sich die Bäume – es ist stürmisch.
Die prasselnden Geräusche vom Dachfenster lassen den Schluss zu, dass es Hunde und Katzen regnet.
Meine Motivation, heute zu laufen liegt im nicht mehr messbarem Bereich.
Jetzt bleibt nur noch eine Hoffnung: Frank.
Vielleicht hat er schon eine Nachricht geschrieben, dass er Kratzen im Hals hat oder gestern einen folgenschweren Alkoholunfall.
Leider keine Nachricht.
Naja, ist noch etwas früh, vielleicht schläft er noch…
Ich stehe auf und mache mir einen Kaffee. Aber auch danach bleibt der Funkkanal still.
Beim Blick auf das Wetterradar tut sich Hoffnung auf. Momentan ist es zwar komplett zugezogen, was der Blick aus dem Fenster bestätigt, aber es gibt Hoffnung. Ab ca. zehn Uhr soll es in Frankfurt trocken sein. Und da der Start des Laufs um fünf nach zehn ist, sollte das passen.

Also zu Frank gefahren und mit ihm weiter nach Frankfurt. Neben uns beiden wollen noch zwei weitere Bekannte laufen: Maui und Udo.
Letzterer schreibt jedoch noch eine Nachricht, dass er bei dem Wetter im Bett bleiben würde. Na toll. Hätte ich auch gewollt. Da ich aber jetzt hier bin, mache ich mich natürlich über ihn lustig, dass er ein Weichei sei.

Was Maui angeht, ist er ja quasi direkter Konkurrent für mich beim Ironman. Gleiche Altersklasse und wenn er gut trainiert hat, durchaus auch recht schnell.
Mein Plan für heute: gucken was geht. Hab mir nichts ausgerechnet und will so laufen, dass es sich zwar herausfordernd anfühlt, aber nicht Kotzgrenze. Letztes Jahr bin ich eine 1:42 gelaufen und hatte bis zum Wettkampf 100km Training in den Beinen. Dieses Jahr bin ich schon 340 km gelaufen. Dementsprechend sollte eine deutlich bessere Zeit herauskommen.
Beim Warmlaufen begegne ich zu meiner großen Überraschung Udo. Er trägt Sonnenbrille, was nur bedeuten kann, dass er spät ins Bett ist und noch nicht ausgeschlafen ist, denn an der Wetterlage hat sich in den letzten Stunden nichts geändert – außer dass es aufgehört hat zu regnen.
Auf meine Frage, was passiert sei, antwortet er nur, dass er von seiner Frau aus dem Bett geschmissen wurde. Wenn er schon wach sei, könne er auch laufen gehen.
Kurz vor dem Start gehen Frank und ich in den Startblock Zielzeit 1:40. Udo wollte von weiter hinten starten, damit er nicht gleich zu Anfang überzockt, ich wollte eigentlich weiter nach vorne, finde es aber auch ganz OK, noch eine Weile mit Frank zu quatschen. Wie gesagt: ich hatte kein konkretes Ziel.
Kurz vor dem Start mache ich Maui etwa fünf Meter vor uns aus. Jetzt fange ich an zu grübeln: ich bleibe hinter ihm und gucke, wie schnell er läuft. Wenn er zu langsam ist (wovon ich nicht ausgehe) überhole ich ihn, wenn er mein Tempo läuft, bleibe ich dran und überhole ihn kurz vor dem Ziel

Der Startschuss fällt und das Feld setzt sich sehr langsam in Bewegung. Ich habe das Gefühl zu schleichen. Dennoch laufen wir den ersten Kilometer in knapp über fünf Minuten.
Maui läuft mal etwas schneller, mal etwas langsamer. Ich überlege, dass mir das Tempo eigentlich zu langsam ist, als er das Tempo wieder anzieht und ich Mühe habe, hinterher zu kommen. So vergehen einige Kilometer, in denen ich unerkannt hinter ihm laufe. Erst bei Kilometer acht kommt Udo von hinten herangestürmt, grüßt Maui (mich hat er nicht erkannt) und rennt mit deutlichem Tempoüberschuss an ihm vorbei.
Ich überlege nicht lange und hefte mich an seine Fersen.
Während ich die letzten Kilometer in ca. 4:40 gelaufen bin, geht das Tempo jetzt Richtung 4:15 bis 4:20
Ich frage Udo, ob er den ganzen Wettkampf so schnell laufen will, aber er meinte, dass er nur schnell an Maui vorbei wollte, so dass der erst gar nicht auf die Idee kommt, hinterher zu laufen.
Ich bin beruhigt.
Nur: das Tempo wird auch bei den folgenden Kilometern nicht langsamer und so bin ich wirklich mittlerweile bei Kotzgrenze angelangt.
Da ich mich beim Laufen nicht umdrehe, Udo aber aus meinem Gesichtsfeld verschwunden ist, weiß ich nicht, ob er noch in der Nähe ist.

Irgendwann laufe ich auf die 1:39 Führungsläufer auf, die eine recht große Traube um sich herum versammelt haben. Überholen wird jetzt etwas schwieriger, aber mit ihnen mitlaufen will ich auch nicht. 1:39 hatte ich mir zwar mal locker als Minimalziel vorgestellt, aber eigentlich wollte ich schon etwas schneller laufen. Also an der Traube vorbei und weiter.
Das schöne daran, in einem „langsamen“ Startblock zu starten ist, dass man unentwegt andere Läufer überholt, was deutlich mehr motiviert, als selbst überholt zu werden. So sammle ich einen Läufer nach dem anderen ein und laufe weiter Zeiten zwischen 4:20 und 4:30
Ein klein wenig habe ich noch Sorgen im Hinterkopf, dass ich doch noch von den beiden überholt werden könnte, aber nach 16 km gibt es einen U-Turn und man sieht auf einen Kilometer Länge, wer an welcher Stelle hinter einem liegt. Da war Udo knapp hinter mir und Maui schon ein wenig weiter weg. Irgendwann sah ich auch Frank, der schon ca. einen Kilometer hinter mir lag.
Sollte also reichen. Dass ich die 1:35 nicht mehr unterbieten würde, war mir schon relativ früh klar. Dazu hätte ich jetzt deutlich schneller laufen müssen, was aber absolut nicht mehr ging.
Nach 1:35:56 überquere ich schließlich die Ziellinie und bin ziemlich zufrieden mit mir.
Udo kommt ca. 45 Sekunden nach mir ins Ziel, auf Maui warten wir dann noch weitere zwei Minuten.

Eine Zeit von 4:32 min/km auf 21,1 Kilometer finde ich schon recht gut. Macht Platz 15 in der AK. Ein bisschen mehr wäre wohl drin gewesen, wenn ich gleich von Anfang an Tempo gemacht hätte. Andererseits wäre ich dann vielleicht am Ende eingebrochen?
Auf jeden Fall lässt sich darauf gut aufbauen und ich bin zuversichtlich für das weitere Training

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